Ein Wort von Scheich Rabī’ (V) über die blinde Befolgung der Gelehrten: Er macht deutlich, dass ein Unterschied besteht zwischen dem Respekt gegenüber dem Gelehrten und seiner blinden Befolgung. Den Gelehrten zu respektieren ist erforderlich, doch es ist nicht erlaubt, ihm zu folgen, wenn er vom Richtigen abweicht. Genau das ist der Manhadsch des Qur’āns und der Sunnah und der Weg der rechtschaffenen Salaf.

Die folgende Aussage machte er in der Gegenwart von Scheich al-Albānī (V):

Bezüglich dessen, was über die blinde Befolgung der Salafis gegenüber ihrer Scheichs behauptet wird, so halte ich dies für etwas Erfundenes, wie der Scheich sagte. Es wird nämlich dargestellt, als würde einer von uns oder sogar jemand, der jünger ist als wir, die Aussage eines bestimmten Scheichs, etwa die des Scheichs al-Albānī, den Aussagen der Imame und sogar den Aussagen der Gefährten vorziehen. Und wenn eine Aussage al-Albānīs kommt, begegnen sie ihr mit völliger Hingabe. Kommt hingegen eine Aussage der Gefährten, heißt es: Sie sind Männer und wir sind Männer. Das ist, bei Allah, wie ihr wisst, gepriesen seist Du, dies ist eine gewaltige Verleumdung.

Ich selbst habe Scheich al-Albānī kennengelernt, als ich im ersten Jahr an der Islamischen Universität war. Es gab nichts, was nicht mit meiner eigenen Ansicht und der meiner Studienkollegen unter seinen Schülern übereinstimmte, ohne dass wir es mit ihm diskutierten. Entweder gelangten wir am Ende zu einer Auffassung, die uns durch Beweise aus den Aussagen Allahs und Seines Gesandten überzeugte, oder wir gingen auseinander, während wir weiterhin unterschiedlicher Meinung waren und mit seiner Ansicht nicht zufrieden waren. Und von jener Zeit bis heute widerspreche ich ihm weiterhin.

Ich lese seine Bücher, so wie andere sie auch lesen. Ich nehme daraus das an, was ich für die Wahrheit halte, und weise das zurück, was ich nicht für die Wahrheit halte. Dabei behandle ich ihn als Menschen und als einen Gelehrten unter den Gelehrten. Wir achten und respektieren ihn, weil er ein Lehrer ist und weil er der Sunnah einen unvergleichlichen Dienst erwiesen hat, daran besteht kein Zweifel. Ich sage das nicht in seiner Gegenwart, sondern hinter seinem Rücken und in seiner Abwesenheit.

Ebenso haben wir bei uns Ibn Taymiyyah, der im Rang über Scheich al-Albānī steht. Wenn wir sehen, dass Ibn Taymiyyah sagt: Allah sagte und der Gesandte Allahs sagte, dann sagen wir: Das nehmen wir an, die Aussage Allahs und die Aussage des Gesandten. Wenn jedoch seine Meinung der Aussage Allahs und der Aussage des Gesandten widerspricht, wenn sie also einem Hadith oder einem Vers widerspricht, dann sagen wir: Salāmun ‘aleikum, wir wollen diese Ansicht nicht, denn sie widerspricht der Aussage Allahs.

Das ist der Manhadsch der Salafis. Sie nehmen von al-Albānī, von Ibn Taymiyyah, von Ibn ‘Abdil-Wahhāb, von asch Schāfi’ī, von Aḥmad und von jedem Imam das an, was auf den Aussagen Allahs und Seines Gesandten basiert. Wenn sie jedoch eine Aussage irgendeines Imams sehen, die der Aussage Allahs und der Aussage des Gesandten widerspricht, dann geben sie der Aussage Allahs den Vorrang. Das ist der Manhadsch des Qur’āns, der Manhadsch der Sunnah, der Manhadsch der rechtschaffenen Salaf und der Manhadsch der rechtgeleiteten Imame: dass die Aussage Allahs und die Aussage des Gesandten über alle Aussagen der Menschen gestellt werden und dass die Rechtleitung Allahs und die Rechtleitung Seines Gesandten über die Rechtleitung aller Menschen gestellt werden.

Und von diesem Ausgangspunkt aus sehen wir auch, dass die beiden Gefährten von Abū Ḥanīfah ihm in einem Drittel oder sogar in zwei Dritteln des Madhhabs widersprochen haben, nicht aus Befolgung ihrer Gelüste und nicht aus Geringschätzung ihres Imams, sondern aus dem Bestreben, der Wahrheit zu folgen...

Scheich Rabīʼ al-Madchalī (V

Übersetzung: Khawer Malik